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Armenhaus Europas

Es ist vollbracht, die Party ist zu Ende, die Lichter gehen aus! Die große Werbeblase ist kläglich zerplatzt. Zurück blieben diejenigen, die schon immer da waren. Die Kulturhauptstadtorganisatoren haben sich längst abgesetzt, das Revier ist offiziell abgeschrieben, und wenn in Bochum der letzte Opel vom Band gelaufen ist, wird das auch jedem noch so unverbesserlichen Optimisten klar werden, dass hier in Zukunft kein Cent mehr in Kultur investiert wird, sondern selbst die seit über einem halben Jahrhundert bestehenden Strukturen gnadenlos zurückgefahren, oder letztendlich gänzlich getilgt werden. Bespaßt Euch selbst, das ist billiger! Denn mit billig kennt man sich ja hier traditionell bestens aus ...

"We have a whole year reserved just for you!"

"For one year the board of artists and the rest of the RUHR.2010 team have been working on the plans and ideas for the European Capital of Culture, combining them into one programme." RUHR.2010 GmbH "Essen for the Ruhr"

Wie wollen wir leben? Dies ist eine Frage die uns alle betrifft. Die Vision von ruhr.2010 ist das Ruhrgebiet zu einer neuen Art Metropole zu wandeln. So wie Europa sich immer weiter von einer Einheit entfernt, sind auch die 53 Städte und Gemeinden mit ihren 5,3 Millionen Einwohnern zumeist ohne Bildung zu keiner Einheit fähig. Der Emscher Park International Building Exhibition nachfolgend hat ruhr.2010 in Bezug auf Gentrifizierung und polyzentrischer städtischer Agglomeration keine relevanten Fortschritte erziehlt.

ruhr.2010 hat über Jahre hinweg lokale, nationale und internationale Designer, Planer, Architekten und Künstler vergeblich aufgefordert über den Tellerrand hinaus zu denken. Vertreter der bildenden Kunst und Stadtplanung, Gartengestaltung und Architektur konnten sich zu keiner Zusammenarbeit durchringen.

Doch die berauschende Mischung aus gebeutelter Landschaft und verkorkster Architektur verspricht eine Fülle von erstaunlichen Bildern. Dilettantische Interventionen beschädigen fortlaufend Stadtstrukturen und zerstören Landschaften, die sich mit ihrer industriellen Vergangenheit bereits wieder in Resonanz befanden: Die typischen Probleme der Ruhrlandschaft können so auch als Modell für andere großstädtische Ballungsgebiete in Europa gesehen werden.

ruhr.2010 will daher die Uhr für eine kurze Zeit stoppen um Experimente durchzuführen, und vor allen Dingen das Ende einer Epoche einzuläuten. Die Verbindungsadern zwischen den Städten erweisen sich bereits zunehmend als Kloaken desillusionierender Kulturlosigkeit. Künstlerische Interventionen ohne Dynamik fahren regelmäßig gegen Wände von Unverständnis und Eigensinn. Kriminalität, Korruption und Hoffnungslosigkeit bestimmen schon seit Jahrzehnten das Gesamtbild. Die Kulturhauptstadt Europas ruhr.2010 bietet die Möglichkeit dieses auf eindrucksvolle Weise der Welt zu präsentieren. Und die Welt freut sich bereits darauf ...